Hydrologie

Natürliche Gefahren für die Süßwasserlinse

Die größten Gefahren für den natürlichen Wasserspeicher kommen nicht vom Menschen, sondern von der Natur selbst. Besonders problematisch sind Sturmfluten, die durch die Dünen oder Deiche brechen. Auf diese Weise gelangt Salzwasser von oben her in die Süßwasserlinse. Ein Beispiel dafür ist die Langeoog. Drei Sturmfluten (1717, 1721 und 1825) teilten die Insel jeweils für kurze Zeiten und damit auch die Süßwasserlinse, die deshalb noch bis heute in zwei kleinere Linsen zerfallen ist.

Für die Größe der Süßwasserlinse ist auch der Tidenhub (der Höhenunterschied der Wasserlinie zwischen Ebbe und Flut) entscheidend. Bei großem Tidehub vergrößert sich die Brackwasserzone auf eine Mächtigkeit von 1 – 2 m und im gleichen Zuge verkleinert sich die Süßwasserlinse. Bei normalem Tidehub ist die Mischzone nur einen halben Meter mächtig.

Menschliche Einflüsse auf den Wasserhaushalt der Ostfriesischen Inseln

Die menschlichen Einflüsse auf den Süßwasserspeicher beziehen sich in erster Linie auf die Wasserentnahme. Die Süßwasserlinse ist ein verhältnismäßig labiles System und der Wasservorrat endlich. Die Gefahr eines direkten Aufbrauchens des Speichers ist nicht akut, da mehr Grundwasser neu gebildet wird als entnommen, aber die mit der Wasserentnahme verbundenen Grundwasserstandsschwankungen können zu einem Problem für die Vegetation werden. Die Grundwasserneubildung findet hauptsächlich während der feuchten Wintermonate statt. Während der Sommermonate, die gleichzeitig die Hauptvegetationszeit darstellen und in denen die höchsten Verdunstungsraten gemessen werden können, tritt dagegen ein Defizit ein. Zusätzlich wird aber gerade in diesen Monaten besonders viel Wasser gefördert, da die Anzahl an Touristen erwartungsgemäß am höchsten ist.

Auf Norderney werden in dieser Zeitspanne 2/3 der jährlichen Fördermenge aus der Süßwasserlinse entnommen, was gemeinsam mit den natürlichen Faktoren, einen drastischen Einfluss auf den Grundwasserstand hat, der wiederum für das Pflanzenwachstum auf der Insel entscheidend ist. Nur wenige Pflanzen vertragen große Grundwasserschwankungen.
Ist die Amplitude zu groß besteht die Gefahr, dass ein Großteil der Inselvegetation abstirbt.

Absenktrichter Abb.4 - Absenktrichter im Bereich eines Förderbrunnens

Besonders gegenwärtig ist dies im Bereich der Brunnen, wo es zu starken, trichterartigen Grundwassersenkungen kommt (siehe Abb.4).

Des weiteren kommt es zu Schadstoffeinträgen durch den Menschen. Sowohl Ferneintrag aus der Luft als auch direkter Eintrag in den Boden (Motorisierter Verkehr, Kläranlagen, alte Abwasser- und Versickerungsflächen, Landwirtschaft, etc.) spielen eine Rolle.