Hydrologie

Marsch

"Marsch" ist eine schon alte Bezeichnung für die ebene Landschaft der Nordseeküste mit überwiegend schweren Böden aus Schlick und mit hohem Grundwasserstand, dessen Schwankungen mit der Tide konform gehen, wenn nicht der Mensch durch Deich- und Wehrbau den Grundwassergang anders gestaltet hat (Mückenhausen, 1993).

"Marsch" bezeichnet die aus Feinsand und Schlick bestehenden Anschwemmungen an Flachküsten mit starken Gezeiten (Neef, 1981). Das Material für die Bildung von Marschen stammt einerseits aus der von den Flüssen mitgeführten Flusstrübe, deren mineralische und organische Bestandteile unter Einfluss des salzhaltigen Seewassers rasch ausgefällt werden, zum anderen aber auch aus Material von Küstenabbrüchen in anderen Gebieten, das durch Gezeitenströmungen verlagert und abgelagert wird.


Marsch

Abb 1 - Typische Marschlandschaft (Photo: H. Bormann)

Entstehung

Über dem feinsandigen Meeresboden, der zwischen der Küste und den vorgelagerten Inseln oft als Watt ausgebildet ist, lagert sich an den flach überspülten Stellen nur das feinste Material ab (Schlick), das später durch salzliebende Pflanzenarten besiedelt, festgehalten und schließlich vom mittleren Tidehochwasser nicht mehr erreicht wird. Durch wasserbauliche Maßnahmen kann dieser Vorgang beschleunigt werden und wird zur Gewinnung von Neuland genutzt. Das eingedeichte Land nennt sich dann Koog, Binnengroden oder Polder. Das außerhalb der Deiche über dem mittleren Hochwasser gelegene Land wird als Heller (=Aussengroden) bezeichnet. Vor der Eindeichung konnte die Marsch nur auf künstlich angelegten Wurten (=Erdhügeln) bewohnt werden.

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Abb. 2 - Marschen entstehen aus Wattsedimenten (Photo: H. Bormann)


Entstanden ist die Marsch-Landschaft nach der letzten Eiszeit, also ca. in den letzten 8000 Jahren. In dieser Zeit kam es zur Bildung sowohl der Ostfriesischen Inseln, der Marschen und der Moore. Im Atlantikum (Beginn ca. 5500 v. Chr.) stieg der Meeresspiegel der Nordsee an (Transgression), wobei das Meer relativ schnell bis an den heutigen Küstenverlauf vordrang. In dieser Zeit begann infolge des allgemeinen Grundwasseranstieges auch die Bildung der Moore.

Durch die Meerestransgression, die von einigen Stillstandsphasen (Regression) unterbrochen wurde, kam es zudem zur Ablagerung von marinen Sedimenten, die aus tonigem Schlick, mit Muscheln durchsetzten Sanden, Sturmflutablagerungen und z.T. auch Hochmoortorfen bestanden. Dies führte zur Bildung der heute zum Teil bis zu 20 Meter mächtigen Marschen.